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30. Mai 2005 Schwerer Atomunfall in England ('Der Bund' 30.5.2005)

Laut einem Untersuchungsbericht seien bei einem schweren Atomunfall in der britischen Wiederaufbereitungsanlage Sellafield 83'000 Liter hoch radioaktiver Flüssigkeit ausgetreten, schreibt die britische Zeitung "Independent on Sunday".

Bis zu neun Monate ist ein Plutonium-Leck in Sallafield offenbar unbemerkt geblieben. Durch das Leck in einer defekten Leitung seien über mehrere Monate hinweg unbemerkt gut 83'000 Liter hoch radioaktiver Flüssigkeit ausgetreten. Der Bericht von "Independent on Sunday" stützt sich auf einen Untersuchungsbericht, zu dem auch die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien Stellung genommen hat. Sie hat den Vorfall offenbar als "ernst" eingestuft, was selten vorkommt. Auf ihrer siebenstufigen Skala für Atomunfälle liege der Vorfall auf Rang drei. Den letzten Vorfall dieser Kategorie gab es in Grossbritannien im Jahr 1992.

"Keine Gefahr" für Umwelt
Der Unfall sei auf eine Verkettung "technischen und menschlichen Versagens" zurückzuführen, heisst es in der Zeitung weiter. Die Betreibergesellschaft British Nuclear Group habe eingeräumt, dass Angestellte möglicherweise schon seit August vergangenen Jahres Anzeichen für das Leck übersehen hätten.
Britische Tageszeitungen hatten bereits Anfang Mai über einen Unfall in Sellafield berichtet. Demnach hiess es, ein Teil der Anlage sei stillgelegt worden. Die Firma bestätigte daraufhin, dass in der Wiederaufbereitungsanlage durch ein gerissenes Rohr viele Tonnen uran- und plutoniumhaltige Salpetersäure ausgelaufen sind. Die Betreibergesellschaft teilte aber in der Folge mit, für Menschen und Umwelt bestehe keine Gefahr.

Schwierige Dekontaminierung
Neu ist nun, dass das Rohr laut dem Zeitungsbericht offenbar schon seit August vergangenen Jahres leckte. Der Defekt sei erst Mitte April bemerkt worden. Die Firma habe daraufhin mit einer Untersuchung des gesamten Leitungssystems begonnen. Die britische Regierung erwägt, wie die Zeitung berichtet, nun die Wiederaufbereitungsanlage gar nicht mehr zu öffnen. Denn die Reinigung eines abgedichteten Raums, in den ein hoch radioaktives Uran-Plutonium-Gemisch geflossen ist, sei äusserst schwierig. Voraussichtlich müssten dafür erst Spezialroboter gebaut werden.

Material auch aus der Schweiz
Die Regierung denkt laut Aussagen von Premier Tony Blair dennoch über den Bau einer neuen Generation von Atomkraftwerken nach. Das seit Jahrzehnten heftig umstrittene Atomzentrum Sellafield (früher Windscale) an der Nordwestküste Englands ist neben dem französischen La Hague die grösste Wiederaufbereitungsanlage für Atombrennstäbe in Europa. Auch die Schweiz lieferte abgebrannte Brennelement nach Sellafield und La Hague.
1957 ereignete sich in Windscale einer der grössten nuklearen Unfälle vor Tschernobyl: Ein Brand konnte erst nach drei Tagen gelöscht werden; eine atomare Wolke zog über Grossbritannien hinweg.

* Der Bund (Zeitung)

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