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Wildschweine (Bayern)

wildschweine Knapp 20 Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl sind Wild, aber auch Pilze in einigen Teilen Bayerns noch immer übermässig durch radioaktive Strahlung belastet. Dies zeigte kürzlich der Fall eines im Bayerischen Wald geschossenen Wildschweins, das mit 70 000 Becquerel pro Kilo Fleisch den Grenzwert von 600 um mehr als das Hundertfache überschritt.
In den sogenannten Fallout-Gebieten, den Gegenden, in denen sich die mit dem radioaktiven Cäsium 137 angereicherte Wolke aus der Ukraine schliesslich abregnete, ist die Verstrahlung im Boden immer noch sehr hoch. Forstenrieder Park, Ebersberger Forst und Bayerischer Wald sind die am stärksten betroffenen Regionen in Süd- und Ostbayern. Hier liegt die radioaktive Belastung von Pilzen, Beeren und Wild immer noch über dem Grenzwert.
Von der Radioaktivität akut betroffen sind Wildschweine. "Sie nehmen Pilze und Wurzeln aus dem Erdreich auf und sind deshalb besonders belastet", sagt Dirk van der Sant vom Bayerischen Landesjagdverband. Die Belastung des Wildschweins aus dem Bayerwald entspricht in etwa der von drei Röntgenaufnahmen.
In exponierten Lagen des Bayerischen Walds hat das Bundesamt für Strahlenschutz in den vergangenen Jahren im Mittel eine Strahlenbelastung von 7000 bis 9000 Becquerel pro Kilogramm gemessen. Auch im Landkreis Deggendorf wurden in den vergangenen Wochen Wildschweine geschossen, deren Strahlenbelastung deutlich über dem Grenzwert lag. "Bei der Population rechts der Donau kann allerdings keine Verstrahlung nachgewiesen werden", sagt der Kreisjagdberater von Deggendorf, Fritz Nirschl. Er hat kürzlich Wildschweine und Rehe aus diesen Revieren testen lassen.
Der Landesjagdverband warnt aber vor Panikmache. Von den rund 50 000 Wildschweinen, die jedes Jahr in Bayern erlegt werden, überschritten im vergangenen Jahr laut Landesjagdverband lediglich 800 den Grenzwert.
Unterfranken, wo es viel Schwarzwild gibt, wurde 1986 von der radioaktiven Wolke nicht heimgesucht. Kaum Probleme gibt es auch bei Rehen und Hirschen. Dirk van der Sant erklärt dies mit dem Ernährungsverhalten. Weil Wildschweine im Erdreich wühlen und Wurzeln und Pilze fressen, seien sie stärker belastet als Rehe, die sich etwa von den jungen Trieben der Bäume ernähren.
Neben der Wildschwein-Delikatesse Hirschtrüffel können nach Angaben des Verbraucherschutzministeriums auch Maronenröhrlinge den Grenzwert überschreiten. Die in Bayern im Handel erhältlichen Steinpilze, Pfifferlinge, aber auch Beeren, seien aber unbedenklich.

Stephanie Geiger, Welt am Sonntag, 31. Juli 2005

* Die Welt (Zeitung)
* Schweine- und Minischwein-Infos von Schweinefreunde e.V.
* Naturlexikon (Seite von Matthias Zimmermann)

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